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ANgeDACHT

Ich bin dann mal weg

Mit Blick auf die Benzinpreise kommt man dieses Jahr schnell auf die Idee, im Urlaub lieber zu wandern oder Fahrrad zu fahren. Man muss den Sommer ja nicht auf der Autobahn oder dem Flughafen beginnen. Man kann auch mit der Bahn fahren, wenn man ein starkes Nervenkostüm besitzt. Oder man geht wandern.

Wandern ist „in“: in der Langsamkeit Neues entdecken, intensiv die Landschaft kennen und die kleinen Dinge schätzen lernen. Waren Sie schon mal bei der Bifurkation in Gesmold? Nein? Sehen Sie, dann mal los. Wandern oder Radfahren bringt uns nicht nur von A nach B. Es bringt uns auf neue Gedanken, macht ruhig und entspannt. Das lohnt sich.

Vor wenigen Wochen lernte ich einen Pilger nach Santiago de Compostela kennen. Sein Weg kam an der Simeonkirche vorbei und er bat mich um eine Schlafstelle für die Nacht. Draußen regnete es in Strömen, die Pilgerunterkunft im Naturkundehaus gibt es schon lange nicht mehr. Eine trockene Stelle für die Nacht war trotzdem schnell gefunden. Pilgern schien für mich in dem Moment wenig romantisch oder erstrebenswert zu sein. Warum macht man das? Ich sagte ihm, Gohfeld sei doch auch schön und er solle man hierbleiben. Er lachte und beim Frühstück am nächsten Morgen erklärte er mir den Unterschied zwischen Wandern und Pilgern. Es geht nicht nur darum, zur Ruhe zu kommen, sondern sich selbst zu begegnen und zu finden - und vielleicht Gott. Und es geht darum, andere Menschen zu motivieren, sich auch auf den Weg zu machen. Man kommt in Santiago jedenfalls anders an, als man zuhause losgegangen ist. Es bewegt sich was.

Für mich ist Pilgern die Erfahrung, nicht nur von Gott Antworten zu bekommen, sondern die richtigen Fragen zu stellen. Und das braucht Zeit, frische Luft und Muskelkater - und die Gemeinschaft mit anderen Pilgern, die man unterwegs trifft. Ich selbst werde nicht nach Santiago wandern. Ich traue mir das nicht zu und habe nicht den Mut dafür. Aber pilgern möchte ich schon: zum Beispiel zu einer Kirche zum Gottesdienst. Es bringt mich Gott näher. Oder ich pilgere zu einem besonderen Ort in der Landschaft, den Blick vom Sender auf Gohfeld finde ich besonders schön. An Ende finde ich fast immer zum Lob Gottes.

Wandern bringt uns weiter, pilgern bringt uns zu Gott. Probieren Sie es aus!

Haben Sie einen gesegneten Sommer,
Ihr Harald Ludewig, Pfarrer

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